Aus meinem Mindmap zum Sommerfest

Samstag, 2. Juli 2016. 8:00 Uhr. Mein Wecker klingelt für meinen Geschmack am Samstag morgen zu früh. Aber wenigstens gibt es später gutes Essen, ermuntere ich mich selbst. Ein Blick aus dem Fenster entlockt mir ein mmmrf. Das sieht nach einer gepflegten Regendusche aus. Naja, Schleswig-Holsteiner sind ja nicht aus Zucker.

Ein Gebet ist fällig, vielleicht kann Gott die Wolken ja woanders abregnen lassen.

Der Café-Chef sagt mir, soll 30 x Schlagsahne einkaufen, damit der Kuchen besser rutscht. Hmmm, wie kriege ich 30 Becher frische Schlagsahne in meinen Fahrradkorb – zusätzlich zu allem anderen Gedöns, dass ich auch noch so mitbringe? Serviettenhalter, Kuchen, Handtasche... (Das Auto ist mit dem Rest meiner Familie zu anderen Terminen unterwegs.) Vielleicht schaffe ich es ja, dass die Sahne schon geschlagen im Café ankommt, wenn ich ganz schnell fahre?

Irgendwie geschafft. Sahne ist in der Küche angekommen und ich bin nicht nass geworden. Geht doch!

10:00 Uhr: Auf dem Parkplatz sieht es mittlerweile ein bisschen wie auf einem Ameisenhaufen aus. Alle rennen geschäftig durch die Gegend, sortieren Zeltstangen, Planen, Mülleimer, Bänke, Tische, Technik, Bücherkisten, Redaktionsartikel, kehren den Fußboden, hängen Hinweisschilder auf, improvisieren neue Zeltkonstruktionen, dekorieren Tische, stellen den Grill auf, schließen den Ofen an, parken Autos und Fahrräder um… Wie schön, dass wir viele Helfer haben. Die Mitarbeiter der Deutschen Bank sind nicht nur nett und freundlich, die können sogar richtig anpacken und haben gute Laune! Nanu, und wo kommen diese ganzen anderen jungen Menschen her? Ach, das muss die Unterstützung aus der Jugendgruppe aus der Kirche in Großenaspe sein! Die sind ja noch ganz schön jung; ob die wohl richtig mit anpacken? Ja!!! Nachdem sie Aufgaben bekommen haben, reihen sie sich brav in das Gewusel mit ein und sind eine prächtige Unterstützung! Yes we can!

12:00 Uhr. So langsam nimmt das Ganze Form an. Die Zelte stehen und sind weitestgehend eingeräumt und nahezu startklar. Jetzt regnet es wie aus Eimern. Naja, wenigstens können wir uns im Zelt unterstellen. Eine kleine Pause ist auch nicht schlecht. Oh nein, die Lautsprecher werden nass. Schnell weiter rein ins Zelt mit der Technik. Wasser, Wasser… hört das denn gar nicht auf? Der Gulli hinter dem Küchenzelt ist voll und bahnt sich seinen neuen Abfluss unter dem Kuchen und Eisstand durch. Wo sind die Helden der Nation, die sich im strömenden Regen dem Kampf gegen den verstopften Gulli hinter dem Zelt stellen? Ingo, Wolfgang, Andreas… Sie haben es mal wieder geschafft! Tapfer, tapfer!

Die Sonne hat sich wieder durchgesetzt. Juhu, wir können weiter arbeiten. Mann, sehen die Kuchen lecker aus! Aber um diese Zeit wäre mir jetzt eigentlich was Deftiges lieber. Mein Blutzuckerspiegel ist weit unten. Jemand nimmt sich fürsorglich meines jämmerlichen Zustandes an und versorgt mich mit Essen. (Danke, Hannelore!) So, jetzt schnell weiterarbeiten. Wir nähern uns dem Finetuning: Hinweise und Beschilderungen anbringen, und dann macht Andreas Böhm schon den Soundcheck. Prima, die Technik funktioniert.

Letzte Ansagen werden gemacht, und dann wird in einem Gebet Gott noch mal die ganze Veranstaltung anbefohlen.

13:45 Uhr. Die ersten Gäste trudeln ein. Und da kommen noch mehr und mehr… Die Zelte füllen sich. Andreas Böhm eröffnet das Fest, dankt allen Mitarbeitern, externen Helfern, Spendern und Unterstützern.

Sina Schlüter ist auch da! Seufz, sie geht leider in die große weite Welt und wird mit der Missionsgesellschaft OM auf dem Missionsschiff Logos neue Aufgabengebiete erschließen. Andreas muss sie leider verabschieden. Schade, dabei war sie doch so nützlich und nett hinter dem Tresen. Ich hoffe und bete innerlich, dass Gott uns bald einen neuen Mitarbeiter am Tresen schicken wird.

Pastor Hans-Christian Hübscher hält eine Ansprache. Er erzählt viel, aber was mir hängen bleibt, ist, dass Menschen sich oft gegenseitig runterziehen. Man kann viel schneller jemanden entmutigen als ermutigen. Mit Lob sind wir oft sehr sparsam. Hier dürfen wir gerne an uns arbeiten! Manchmal haben wir auch das Gefühl, dass Gott uns vergessen hat und gar nicht mit uns spricht. Dann erzählt er ein ermutigendes Erlebnis von einem Mitarbeiter der Gemeinde, der meinte, dass Gott nicht zu ihm spricht und ihn nicht erreicht. Diesem Mitarbeiter fiel es schwer zu beten und mit Gott in Kontakt zu kommen. Jemand anderes aus der Gemeinde kommt während eines Gottesdienstes auf diesen Menschen zu und sagt, dass er sich über seine Anwesenheit freut und das er das Gefühl hat, dass Gott ihm sagen möchte, dass er ihn nicht vergessen hat und sich auch über ihn freut. So ist Gott! Er sieht uns, er kennt uns, weiß was wir brauchen und manchmal spricht er ganz deutlich in einen Zustand hinein, damit wir wieder aufgebaut werden.

Ich denke, da hat Pastor Hübscher den Nagel auf den Kopf getroffen. Viele unserer Gäste befinden sich in einer Abwärtsspirale. Wir versuchen sie aufzubauen und ihnen neue Perspektiven für ihre Lebensgestaltung zu geben. Das gelingt uns mal gut, aber manchmal aber auch scheinbar gar nicht. Da sind wir froh, dass Gott auch noch ein Wörtchen mitzureden hat und dass er die Menschen auf ganz andere Weise erreicht, so wie wir das manchmal gar nicht können, selbst wenn wir es gerne wollen…

Viele sind heute sehr dankbar für leckeres Eis, guten Kuchen, Fisch, Salat, Grillfleisch, Würstchen, Kaffee und andere gute Getränke. Ich führe einige Gespräche mit Menschen, die froh sind, heute hier sein zu können. „Den ganzen Nachmittag alleine rumsitzen ist doch nichts… Schade, dass meine Kinder nicht hier sind“, sagt mir eine ältere Dame. „Aber so bin ich ja heute auch nicht alleine. Hier sind alle so nett und das Essen ist so gut! Und im Zelt wird man ja nicht nass...“

Es bleibt nicht das letzte Gespräch dieser Art. Okay, es hat sich wirklich gelohnt, heute früh aufzustehen. „Danke Gott, für diese Begegnungen und die vielen verschiedenen Menschen, die heute hier Anschluss finden konnten.“

Kurz vor 18:00 Uhr. Die Bänke in den Zelten lichten sich. Der Abbau beginnt. Die Sonne scheint mit ganzer Pracht. Yes! So ist es nahezu perfekt! Schade, einige Mitarbeiter müssen schon gehen. Aber es sind noch Helfer da. Das Dream-Team der Deutschen Bank Filiale Neumünster hält ebenfalls durch bis zum Ende.

20:00 Uhr. Ich schließe das Tor im Hinterhof ab. Einige meiner Team-Kollegen sind noch mit dem Laster unterwegs, die geliehenen Bänke und Tische wegfahren und die noch nassen Zeltplanen beim Bauen in der Scheune auszubreiten.

Es war für uns alle ein langer, aber doch schöner Tag! Nach dem Fest ist vor dem Fest. Nur noch 161 Tage bis zur Weihnachtsfeier am 10. Dezember!

Ich hoffe, wir sehen uns wieder!

Malu Schulze